
Wie ihr 17 Monate altes Kind in der Notfalldienstzentrale und der Chirurgischen Ambulanz des Hetzelstifts behandelt worden ist, ärgert Helena Fröhlich. Bei dem Kind sei medizinisch kein Fehler gemacht worden, aber einiges schief gelaufen, betonen die Ärzte. Beschwerden über das Krankenhaus bringt auch Gudrun Schröter vor. Sie wiederum stößt mit ihrem Fall bei der Klinik auf Unverständnis.
Zum Fall Fröhlich sagt Jürgen Brohl, Leiter der Ärztlichen Notfalldienstzentrale im Krankenhaus: „Ich muss mich für das Verhalten meines Kollegen entschuldigen." Auch Maria Hery, Ärztliche Direktorin, hat Verständnis für den Unmut der Eltern. Wie Fröhlich berichtet, war ihr 17 Monate alter Sohn am Samstag, 13. Februar, aufs Gesicht gefallen und habe im Mund und an der Lippe geblutet. Sie habe die Notrufnummer 112 gewählt, sei sofort weiterverbunden worden und habe die Auskunft bekommen, dass sie mit dem Kind in die Chirurgische Ambulanz des Hetzelstifts kommen soll.
Ihr Mann sei mit dem Kind ins Krankenhaus gefahren und erst in der Notfalldienstzentrale gewesen. Dort habe man ihn warten lassen und dann weitergeschickt. Nach einer längerer Wartezeit, der Auskunft, es sei kein Arzt da, der das Kind versorgen könne, und der Aussicht auf weitere sechs Stunden habe man ihm geraten, das Kind nach Landau oder Speyer zu bringen. Dort gebe es eine Kinderstation und einen Kinderarzt. In Landau sei ihr Kind sofort behandelt worden - nicht vom Kinderarzt, sondern von einem Chirurgen in der Ambulanz.
Eine solch kleine Verletzung hätte der Arzt in der Notfalldienstzentrale behandeln müssen, obwohl der kein Chirurg war, sagt Brohl. Dass der das nicht gemacht habe, sei ein Fehler. Er habe deshalb mit dem Kollegen gesprochen. Manche Ärzte haben ihm zufolge Angst vor Schadenersatzansprüchen und deshalb wenig Mut, etwas selbst zu machen. Dass eine Ärztin in der Chirurgischen Ambulanz die Wunde des Kindes nicht versorgt hat, versteht Brohl genauso wenig.
Bei der Neustadterin Gudrun Schröter liegen die Dinge offenbar anders: Sie sei am Samstag, 9. Januar, in die chirurgische Ambulanz gekommen und habe selbst einen Bruch des Mittelfußknochens am rechten Fuß vermutet, berichtet ihr Mann Hans Schröter. Das habe sie dem Arzt gesagt, der sie zum Röntgen geschickt habe, und dort ihren Verdacht wiederholt.
Laut Schröter wurde seine Frau nur am Sprunggelenk geröntgt. Weil dieses Gelenk verstaucht sei, habe man ihr einen leichten Verband angelegt und sie nach Hause geschickt, berichtet der Ehemann. Zwei Tage später habe ein Orthopäde den Bruch des Mittelfußknochens diagnostiziert. Das sei so nicht richtig, widerspricht Hanns-Günther Knöll, Chefarzt der Abteilung für Orthopädische Chirurgie und Unfallchirurgie. Bei der Patientin sei sehr wohl der Mittelfuß geröntgt worden. Auf Nachfrage sagt Gudrun Schröter, dass dies „sein könne". Auf den Röntgenbildern sei eindeutig keine Fraktur zu erkennen, betont Knöll.
Zwei Erklärungen seien möglich: ein Umknicken zwischen dem Röntgen und dem Besuch beim Orthopäden oder ein Haarriss, der auf Röntgenaufnahmen nicht zu erkennen sei. Solche Risse könnten sich verstärken und dann erst sichtbar werden. In der Regel werde Patienten deshalb gesagt, dass sie erneut kommen sollen, wenn Beschwerden nicht abklingen, so Knöll. Diese Auskunft habe auch seine Frau bekommen, gibt Schröter zu. (ann)
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Mittelhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.62
Datum: Montag, den 15. März 2010
Seite: Nr.27
"Deep-Link"-Referenznummer: '6104530'
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