
Prof. Dr. Richard Berger, der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Marienhaus Klinikums St. Elisabeth Neuwied freut sich mit seinen Patientinnen über ihre wieder gewonnene Lebensqualität.
Neuwied. „Heute bereue ich, dass ich die Operation nicht schon vor einigen Jahren habe machen lassen“, berichtet Maria Meyer*. Die 85-jährige lebhafte Dame litt jahrzehntelang unter Harninkontinenz, dem unfreiwilligen Harnverlust. „Ich war nicht mehr Herr über mich selbst“, schildert sie die letzten Jahre, in denen sie sich nicht mehr vor die Tür traute, aus Sorge, sie könnte nass sein oder unangenehm riechen. Die 90-jährige Elisabeth Schmitz* hat einen ähnlichen Leidensweg hinter sich. „Ich habe bei allem, was ich unternehmen wollte, überlegt, ob ich schnell eine Toilette erreichen kann“, erinnert sie sich. Zudem hat sie keine Nacht mehr durchgeschlafen, weil sie andauernd zur Toilette musste. Bei beiden Damen hatte das Beckenbodenbindegewebe, dessen Muskulatur und Bänder normalerweise die Gebärmutter, Scheide, Blase und die anderen Organe im Becken stabil halten, so stark nachgegeben, dass sie zusätzlich einen Vorfall der Gebärmutter erlitten hatten. Beide haben das als eine starke Behinderung erlebt, die sie massiv eingeschränkt hat. „Wer das nicht selbst mit gemacht hat, kann sich das gar nicht vorstellen“, ist Elisabeth Schmitz überzeugt.
Professor Dr. Richard Berger, der Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Marienhaus Klinikums St. Elisabeth Neuwied hat die beiden Damen vor wenigen Monaten operiert und ihnen so einer neuen Lebensqualität verholfen. „Auch wenn Frauen schon über 80 Jahre als sind, führen wir die OP mit großem Erfolg durch“, freut er sich. Elisabeth Schmitz und Maria Meyer hat er ein Netz aus Polypropylen in den Beckenboden eingesetzt, das problemlos in das körpereigene Gewebe einwächst und die stützende Funktion der Beckenbodenmuskulatur und -bänder übernimmt. Die abgesackten Organe werden bei der Operation wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht, und durch das implantierte Spezialnetz wird ein erneutes Absinken verhindert. „Mit diesem Operationsverfahren, das wir seit 2006 anwenden, können wir gerade älteren Frauen sehr gut helfen“, betont Prof. Berger.
„Viele Frauen jenseits der Wechseljahre sind von Gebärmuttersenkung und Harninkontinenz betroffen“, weiß Prof. Berger. Die Erfahrung zeige, dass diese Beschwerden zunehmen, wenn sie nicht behandelt werden. In der Bundesrepublik leiden fünf bis sechs Millionen Menschen darunter, 80 Prozent davon sind Frauen. Dennoch gehört die Harninkontinenz immer noch zu den Tabuthemen, über die viele Betroffene nicht einmal mit ihrem Arzt reden wollen. Den meisten kann jedoch nach einer gründlichen Diagnostik, bei der die Ursachen der Harninkontinenz abgeklärt werden, und mit einer individuell abgestimmten Therapie gut geholfen werden. Anlaufstelle für diese Patienten ist im Marienhaus Klinikum St. Elisabeth das In-terdisziplinäre Urologisch-Gynäkologische Kontinenzzentrum, in dem Gynäkologen, Urologen und Chirurgen eng zusammenarbeiten und die Frauen bestmöglich beraten und behandeln.
Maria Meyer und Elisabeth Schmitz geht es wieder richtig gut. Bei Maria Meyer war vor einigen Wochen ein weiterer kleiner Eingriff notwendig: Prof. Berger hat ihr ein Bändchen eingesetzt, das die Blase zusätzlich in ihrer Position hält, auch wenn sie husten oder niesen muss. Sie und Elisabeth Schmitz sind überglücklich, wieder am Leben teilnehmen zu können. „Mein Leben hat sich seit der Operation komplett geändert“, freut sich Maria Meyer, die jetzt endlich wieder schwimmen gehen möchte. „Das ist mein vierter Frühling und den nutze ich.“
* Namen von der Redaktion geändert.