Bobath

Das Bobath Konzept ist ein holistisches (ganzzeitliches) Herangehen an den Befund und die Behandlung von Patienten mit Störungen des Zentralnervensystems (ZNS) (z.B. nach Schlaganfall / Hemiplegie) die eine Abweichung hervorrufen von:

  • Normaler Haltung
  • Normaler selektiver Bewegung

Basierend auf der

  1. Analyse der normalen Bewegung
  2. Analyse der Abweichung von der normalen Bewegung
  3. Anwendung von angepassten Techniken der Behandlung.

Eine Schädigung des ZNS ruft nicht nur motorische Defizite hervor, sondern ebenso neuropsychologische Defizite, die der Therapeut in seiner Behandlung berücksichtigen und einbeziehen muss.

Geschichte

1941 beobachtete Dr. h.c. Bertha Bobath, dass ein hemiplegischer Patient bei bestimmten Bewegungen oder Stellungen spastischer wurde und bei anderen sich die Spastizität wiederum reduzierte. Diese Beobachtung war etwas Neues, denn das Wissen, dass Spastizität eine variable Größe ist, die durch die Stellung oder Bewegung beeinflussbar ist, war damals überhaupt noch nicht vorhanden.
Aus dieser Entdeckung heraus entwickelte die Physiotherapeutin  Frau Bobath zusammen mit ihrem Mann, dem Arzt Dr. Karel Bobath, ein empirisches (aus Beobachtungen basierend) Konzept, dessen zwei Säulen die Beeinflussung des Tonus und die Bahnung von Bewegung sind.
 
Das Bobath � Konzept beinhaltet keine Übungen, und ist rein spekulativ. Der einzige Beweis für seine Richtigkeit ist seine Verbreitung, die Akzeptanz durch Patienten und Therapeuten. Dr. K. Bobath sagt dazu:

>> Die einzige Antwort auf die Frage, ob das, was sie tun, das richtige für den Patienten ist, ist die Reaktion des Patienten auf das , was sie tun. Behandlung, wie Erziehung, wie Leben, ist eine konstante Interaktion. Das Wichtige ist, dass wir im Laufe der 40 Jahre absichtlich davon abgesehen haben, eine Methode zu schaffen. Wir nennen es heute noch ein Konzept, und wir lernen täglich.<<

Prinzipien der Behandlung

Im Bobath-Konzept wird mit drei Behandlungstechniken gearbeitet:

  1. Inhibition &#65533; Hemmung pathologischer Bewegungsmuster und des Tonus, um ein Weg zu finden zurück zur &#65533;normalen Bewegung&#65533;.
  2. Facilitation &#65533; Bahnung / Erleichterung von physiologischer Bewegungen.
  3. Stimulation &#65533; Durch verschiedene Techniken werden pathologische (krankhafte)Bewegungsmuster gehemmt und physiologische/ normale Bewegungsmuster aktiviert und unterstützt.

Die Behandlung geht davon aus, dass es möglich ist, dem Patienten zur kontrollierten Bewegungen zu verhelfen und ihn so von den pathologischen Symptomen der Hemiplegie, wie Spastizität, assoziierten Reaktionen und Massenbewegungen, zu befreien.

Die neurophysiologische Grundlage dazu ist der Versuch:

  • dem Hirn durch einen normalisierten Tonus und eine normalisierte Haltung eine möglichst normale Information über die betroffene Seite zu ermöglichen;
  • den Patienten durch eine gegebene Ausgangsstellung sensibel für therapeutische Reize zu machen (Shunting - Regel von Magnus, 1924);
  • nach der sog. Weichenstellung durch Input die Bildung neuer Funktionen in vorhandenen Zellen und Bildung von Synapsen (analog der kindlichen Entwicklung) zu erreichen.

Erwachsenenbehandlung

Stadien der Hemiplegie/ - parese

Nach dem Schlaganfall kann man den Verlauf der Hemiplegie/ - parese in 3 Stadien einteilen, deren Übergang jedoch variabel, d.h. zeitlich individuell verschieden, langsam und fließend ist.

  1. AKUTSTADIUM oder pseudoschlaffes Stadium. Dauer: Stunden bis Wochen.
  2. SPASTISCHES STADIUM &#65533; Hypertone Lähmung der quergestreiften Skelettmuskulatur.
  3. STADIUM der RESTSYMPTOMATIK &#65533; Symptome, die nach 2 Jahren ärztlicher, physiotherapeutischer und pflegerischer Betreuung noch vorhanden sind.

Bei einer Hemiplegie entsteht meistens eine Beugespastik des Armes und eine Streckspastik des Beines. Es gibt außer den typischen Spastikmustern und Symptomen aber auch noch viele andere Kombinationsmöglichkeiten von spastischen Mustern und Symptomen wie z.B. die �Pusher-Symptomatik�, und dem entsprechend muss sich die therapeutische Strategie ständig anpassen, neu strukturieren und organisieren.
Dem Stadium der Hemiplegie entsprechend wird der Therapeut unterschiedliche Behandlungsschwerpunkte setzen.

1. Stadium I / Frühphase:

Die Behandlung muss so schnell wie möglich anfangen. Ziel dieser Behandlung ist zu vermeiden:

  • spastikfördernde Stellungen,
  • pathologischer Reorganisation (mal Alignement),
  • Kompensationsbewegungen

Im Akut-Stadium, wie auch später in der Rehabilitation, sollten nicht nur Ärzte und Physiotherapeuten krankheitsspezifisch arbeiten, sondern auch das Pflegepersonal und die Angehörigen, da sie zeitlich gesehen länger mit dem Patienten in Kontakt stehen. Diese Team � Arbeit (nach Bobath) bringt dem Patienten eine sehr große Selbstständigkeit, was letztendlich der Sinn der Behandlung sein sollte.

2. Stadium II & III (Spätphase)

Hier werden die therapeutischen Ziele des 1. Stadiums weiter verfolgt und intensiviert, und selbstverständlich neue, höhere Ziele angestrebt.
Im zweiten spastischen Stadium sind reflexhemmende Bewegungskombinationen und reflexhemmende Bewegungsmuster notwendig und sinnvoll. Ziel der Behandlung ist primär die Tonusregulierung. Der Patient wird zur mehr Eigenständigkeit geführt (Kontrollübernahme vom Patienten); deswegen ist es jetzt sehr wichtig zu fordern, fördern und sofort zu sehen, wann der Patient seine Kontrolle verliert. Das Gebiet zwischen Kontrolle und Kontrollverlust ist das Gebiet in dem der Patient  arbeiten muss, um etwas zu erreichen.

Im dritten Stadium, dem Stadium der Restsymptomatik, werden primär Koordinationsprobleme behandelt, das Erlernte automatisiert und trainiert, so dass auch bei Stress, Aufregung und Ermüdung das Erlernte beibehalten werden kann.

Erreichung der momentan maximalen Funktionsfähigkeit unter Berücksichtigung der Neuroplastizität sollte das Ziel jeder Behandlung in jedem Stadium sein.