Fieberkrampf

Ein Fieberkrampf ist ein in der frühen Kindheit in Verbindung mit einer fieberhaften Erkrankung auftretender zerebraler Anfall. Er äußert sich in der Regel mit einem plötzlichen Bewusstseinsverlust und rhythmischen Zuckungen der Muskulatur. In den meisten Fällen dauert er nur wenige Minuten und hört von alleine wieder auf. Er stellt als typischer Gelegenheitsanfall die häufigste Form eines zerebralen Anfallgeschehens im Kindesalter dar. Von den Angehörigen wird er fast immer als lebensbedrohliches Ereignis erlebt. Doch hat er, sowohl was die akute Störung als auch was die langfristige körperliche und geistige Entwicklung betrifft, eine sehr günstige Prognose. Zur Akuttherapie können krampflösende Medikamente verabreicht werden. Eine Langzeitprophylaxe ist nicht effektiv und wegen der ausgesprochen guten Prognose nicht nötig. Betroffen sind in Europa und Nordamerika 2–5 Prozent aller Kinder. In aller Regel sind diese zwei bis vier Jahre (sechs Monate bis fünf Jahre) alt. Der Altersgipfel des Auftretens liegt zwischen dem 14. und 18. Lebensmonat. Vor dem 7. Lebensmonat und nach dem 5. Lebensjahr sind Fieberkrämpfe sehr selten. Die genauen Ursachen für die Entstehung von Fieberkrämpfen sind nicht bekannt. Neben Fieber als notwendige Voraussetzung sind sie eng mit einem bestimmten Alter, also einer speziellen Entwicklungsphase des Gehirns und bei auffälliger familiärer Häufung auch mit einer genetischen Veranlagung verknüpft. Grundsätzlich können Fieberkrämpfe bei jeder Infektion außerhalb des Zentralnervensystems auftreten. Jedoch liegen Virusinfektionen und hierunter diejenigen durch das Humane Herpesvirus 6, den Erreger des Drei-Tage-Fiebers, sehr viel häufiger zugrunde als bakterielle Erkrankungen. Dies legt nahe, dass auch erregerspezifische Eigenschaften das Auftreten von fiebergebundenen Krampfanfällen begünstigen. Aufgrund der Altersverteilung ist ein Zusammenhang zwischen der Gehirnstruktur von Kindern im entsprechenden Alter naheliegend; allerdings ist nicht bekannt, warum nicht alle Kinder von Fieberkrämpfen betroffen sind. Ebenfalls noch unbekannt sind die für einen Fieberkrampf verantwortlichen kindlichen Gehirnstrukturen. Möglicherweise spielen temperaturabhängige Eigenschaften der Rezeptoren von Nervenbotenstoffen wie GABA eine Rolle.
Das familiäre Vorkommen von Fieberkrämpfen wird unter der Bezeichnung familiäre fiebergebundene Krampfanfälle zusammengefasst.
Ein Fieberkrampf tritt typischerweise bei einer schnell ansteigenden Körpertemperatur auf 39 °C oder höher und meistens am gesamten Körper (generalisiert) auf. Er beginnt mit einem plötzlichen Bewusstseinsverlust, gefolgt von einem Zusammenziehen der gesamten Muskulatur (tonische Versteifung). Nach 10–30 Sekunden folgen regelmäßige (klonische) Zuckungen. Die tonische Phase kann fehlen, und es kommen auch atonische Anfälle vor, bei denen die Muskulatur ihre Spannung verliert und die Kinder vollkommen schlaff sind. Ein Fieberkrampf dauert meist wenige Minuten (bis ca. 10). Zumeist folgt eine Periode von Benommenheit nach dem Krampfanfall (postiktale Benommenheit).
Die Diagnose eines Fieberkrampfes kann in der Regel durch eine sorgfältige Erhebung der Anamnese und körperlichen Untersuchung gestellt werden. Die Abgrenzung gegenüber anfallsartigen Ereignissen anderer Ursache wie beispielsweise einer kreislaufbedingten Ohnmacht, einer Reflexsynkope oder einfach nur einem Schüttelfrost kann dabei schwierig sein. Entzündliche Erkrankungen des Gehirns oder der Hirnhäute (Enzephalitis, Meningitis) müssen differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden. Beim geringsten Verdacht ist hierzu eine Untersuchung des mittels einer Lumbalpunktion gewonnenen Hirnwassers nötig.

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