Auffangen statt jammern

„Hier bleibe ich, weil hier auch mal gelacht wird." Diese Einschätzung einer Teilnehmerin ist für die Leitung der Neustadter Frauenselbsthilfe nach Krebs das schönste Lob. Von Chancen und Problemen der Initiative.


Wenn die Diagnose „Krebs" lautet, ist mehr gefragt als nur medizinische Hilfe. Der Befund kann das Leben auf den Kopf stellen. Selbsthilfe ist notwendig, um die lebensbedrohliche Situation bewältigen zu können. Die Frauenselbsthilfe nach Krebs begleitet Betroffene landesweit. Eine der Ortsgruppen ist in Neustadt ansässig und wird von Yamina Cherair, Renate Hösl und Susanne Perez geleitet.


Als Cherair vor einigen Jahren die Diagnose Brustkrebs bekam, hätte sie zunächst nie einen Gedanken daran verschwendet, sich an eine Selbsthilfegruppe zu wenden. Sie glaubte, dort werde nur gejammert. „Doch inzwischen weiß ich, dass die Gruppe eine große Bereicherung in meinem Leben ist", sagt sie. „Man versteht sich ohne große Worte." Die Neustadter Selbsthilfe will auffangen nach dem ersten Schock, informieren über Hilfen zur Krankheitsbewältigung, Begleiten in ein Leben mit oder nach Krebs.


Die Frauen halten enge Verbindungen zu den psychologischen und sozialen Beratungsstellen des Krankenhauses Hetzelstift sowie zu dessen Gynäkologie und Chemotherapieabteilung. „Unser Anliegen ist die Stärkung der Patientenkompetenz", stellt Cherair heraus. Sie will die Teilnehmerinnen ermutigen, selbstbewusst den eigenen Weg zu gehen. Herzstücke der gemeinsamen - stets freiwilligen - Aktivitäten sind neben dem regelmäßigen Austausch monatliche Wanderungen und Vorträge. Darüber hinaus gibt es Sportangebote wie Radtouren, Aquajogging und -biking. Das Trio an der Spitze weiß, wie hilfreich es ist, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Es bildet formell die Gruppenleitung, aber „sieht alle als gleichberechtigt an und ist offen für neue Ideen, Anregungen und Wünsche".


Die Neustadter Gruppe orientiert sich auch am landesweiten Sechs-Punkte-Programm: Man wolle Krebskranke psychosozial begleiten; helfen, die Angst vor weiteren Untersuchungen und Behandlungen zu überwinden; Vorschläge zur Stärkung der Widerstandskraft geben; die Lebensqualität verbessern; über soziale Hilfen und rechtliche Fragen aufklären und die Interessen Krebskranker sozial- und gesundheitspolitisch vertreten. Zwischen Mitte 30 und Mitte 70 sind die drei Dutzend Teilnehmerinnen. Die Gruppenleitung legt Wert auf eine herzliche, offene Atmosphäre. Eine Patientin sei jüngst dazugestoßen, sagt Cherair. Sie stand noch vor der Operation. „Und dann hat sie am Ende des Treffens gesagt: ,Hier bleibe ich, weil hier auch mal gelacht wird"." Ja, meint Cherair nachdenklich, Brustkrebs sei ein ernstes Thema. „Aber das Leben geht weiter, und es hat auch schöne Seiten."


Info


Brustkrebs ist mit 27,8 Prozent die häufigste Krebsneuerkrankung bei Frauen. 57.000 Frauen erkranken in Deutschland jährlich daran. 17.500 Frauen sterben pro Jahr an den Folgen davon.


Frauenselbsthilfe nach Krebs, Ortsgruppe Neustadt, Telefon: 06321/576092, Mail: fsh-neustadt(at)web.de.


Geschäftsstelle des Bundesverbandes der Frauenselbsthilfe nach Krebs, Telefon: 0228/33889-400, Mail: kontakt(at)frauenselbsthilfe.de. (taf)

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Mittelhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.89
Datum: Samstag, den 17. April 2010
Seite: Nr.16
"Deep-Link"-Referenznummer: '6060816'
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