Margaretha Flesch wurde 1826 als Tochter eines Westerwälder Ölmüllers geboren. Schon früh in ihrem Leben wurde sie mit Not und Krankheit in der eigenen Familie und mit Armut und Leiden bei ihren Mitmenschen konfrontiert. Die Erfahrungen, die sie bei der Pflege ihrer epilepsiekranken Schwester und bei der Sorge für die siebenköpfige Familie nach dem frühen Tod des Vaters machte, waren mit prägend für ihr Lebenswerk, das der sorgenden und pflegenden Hinwendung zu den Schwachen und Kranken galt.
Im Jahre 1863 gründete sie auf dem Kapellenberg oberhalb von Waldbreitbach die Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen von Waldbreitbach, die 1913 die päpstliche Anerkennung nach dem Römischen Recht erhielt. Als Ordensstifterin führte sie den Namen Mutter Maria Rosa. Diese Ordensgemeinschaft wuchs und schuf zahlreiche soziale Einrichtungen.

1873 erhielt Mutter M. Rosa von der Regierung die Konzession zur Leitung einer "Privat Kranken- und Irrenanstalt" im Marienhaus, dem Mutterhaus des Ordens. Im Dezember 1891 wurde in einem eigenen Gebäude das St. Antoniushaus als "Privatpflegeanstalt für weibliche unheilbare Geisteskranke" eröffnet. Es ist eine der ersten sozialen Einrichtungen, die durch das segensreiche Schaffen der Ordensgründerin entstanden sind. In den folgenden Jahrzehnten machte das St. Antoniushaus eine Entwicklung zu einer Heil- und Pflegeanstalt für psychisch kranke Frauen.

Ab Mitte der 1970er Jahre stellte es sich den Anforderungen der modernen Psychiatrie, wie sie durch die Psychiatrie-Enquète und später durch die Expertenkommission der Bundesregierung zur Reform der psychiatrischen Versorgung formuliert wurden. Die Patientinnen werden in ihrer Rolle als kompetente Mitmenschen und Partnerinnen mit Eigenverantwortung für den Behandlungsprozess gesehen. Die Krankenhausleitung, die sich nun aus der Krankenhausoberin, dem ärztlichen Direktor, der Pflegedienstleiterin und dem Verwaltungsleiter zusammensetzte, förderte den Einsatz psychotherapeutischer Methoden, die Prinzipien der Therapeutischen Gemeinschaft und ein sich immer weiter differenzierendes therapeutisches Angebot. Der Personalbestand wurde erheblich um therapeutisches Fachpersonal erweitert.
1983 zog der Akutbereich des Krankenhauses in einen Neubau um, der die strukturellen Voraussetzungen für das differenzierte Behandlungsangebot gewährleistet. Die Klinik hatte sich in den vergangenen Jahren zu einem psychiatrischen Fachkrankenhaus entwickelt und nannte sich nun "St. Antonius-Krankenhaus, Psychiatrie – Neurologie". Drei Jahre später konnten die chronisch kranken Patientinnen des sogenannten Langzeitbereichs einen weiteren Neubau beziehen.
Im St. Antonius-Krankenhaus erhielt die Psychotherapie als eine der tragenden Säulen der Behandlung immer größere Bedeutung. Es folgten weitere Umstrukturierungen und konzeptionelle Erweiterungen. Seit Anfang der 1990er Jahre ist das Haus auch auf die Behandlung von Männern eingerichtet. Seit 1996 erfüllt es den Auftrag der psychiatrischen Pflichtversorgung für den Kreis Neuwied. Die Aufnahmestationen sind räumlich und in ihren Behandlungskonzepten so strukturiert, dass auch Patientinnen und Patienten, die aufgrund des Landesgesetzes für psychisch kranke Personen (PsychKG) eingewiesen werden, die erforderliche schützende Betreuung und Therapie gegeben werden kann. In den Jahren 2007/2008 realisierten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Akutbereichs das Projekt „Offene Psychiatrie“; seitdem gibt es im Marienhaus Klinikum St. Antonius keine geschlossenen Stationen mehr, alle Stationstüren sind tagsüber geöffnet.
Vor dem Hintergrund der aktuellen gesundheitspolitischen Lage fusionierte das St. Antonius-Krankenhaus Anfang 2003 mit dem St. Elisabeth-Krankenhaus Neuwied und dem St. Josef-Krankenhaus Bendorf sowie der Reha-Rhein-Wied zum "Marienhaus Klinikum Bendorf-Neuwied-Waldbreitbach". Es trägt seitdem den Namen "Marienhaus Klinikum St. Antonius Waldbreitbach" und ist die psychiatrisch-psychotherapeutische Fachabteilung des Gesamtklinikums mit 124 Betten.

Das dem Haus angegliederte Wohnheim trägt heute den Namen "Haus St. Antonius". Er ist eine Einrichtung zur Eingliederung chronisch psychisch kranker Erwachsener und eine Einrichtung der vollstationären Pflege.
Im Ortskern von Waldbreitbach leben in sechs Wohnungen, die als Außenwohngruppen zum Haus St. Antonius gehören, Bewohnerinnen weitgehend selbständig; sie bereiten sich dort auf ein von institutionellen Hilfen möglichst unabhängiges Leben vor.

In Neuwied befindet sich als Abteilung des Marienhaus Klinikums St. Antonius seit 1999 die St. Antonius-Tagesklinik. Sie bietet 20 Patientinnen und Patienten teilstationäre psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung.
Im Rahmen des Qualitätsmanagements des gesamten Klinikums wird am Standort Waldbreitbach und in der St. Antonius Tagesklinik ein System zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität aller angebotenen Leistungen gepflegt. Dieses entspricht den Anforderungen der Normenreihe DIN EN ISO 9001:2000, was das Zertifikat eines unabhängigen Prüfinstituts bestätigt. -
"Gott sucht sich das Kleine aus, wenn er Großes vorhat", sagte Mutter M. Rosa Flesch. Das Samenkorn, das sie als "schwaches Werkzeug in der Hand Gottes" - wie sie sich selbst bezeichnete - auf dem Kapellenberg oberhalb von Waldbreitbach gepflanzt hat, ist aufgegangen und hat reichen Segen gebracht - im Marienhaus Klinikum St. Antonius und in zahlreichen weiteren Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen und anderen helfenden Institutionen.