
Oh Schreck, der Eisbär hat Fieber: 47,11!
Reportage: Hetzelstift kuriert kranke Stofftiere, um Kindern die Angst vor dem Krankenhaus zu nehmen - Selbst die passenden Röntgenbilder liegen bereit
Von Maritta Fischer
Kopfplatzwunden, Schweinegrippe, Knochenbrüche: Der Andrang im Hetzelstift war gestern enorm. Mehr als 100 Kindergartenkinder kamen mit ihren Kuscheltieren, um deren Nöte im „Ersten Teddybärenkrankenhaus Hetzelstift Neustadt" lindern zu lassen.
Vincent hat seinen Hasen Hoppel dabei. Ein armes Tier. Hat in beiden Ohren Murmeln stecken, wie der kleine Junge Katharina Ruppel, der Chefärztin des Teddykrankenhauses, erzählt. Welch ein Glück für den kranken Hasen, dass sein Freund den Diedesfelder Kindergarten besucht, eine der Einrichtungen, die das Angebot des Hetzelstiftes angenommen haben. „Wir wollen Kindern die Themen Gesundheit und Krankheit näher bringen und Ängste abbauen, ihnen auf spielerische Art und Weise die Angst vor einem Arztbesuch oder einem Krankenhausaufenthalt nehmen", sagt Pressesprecherin Claudia Reh.
Sie leitet im Teddykrankenhaus die Anmeldung. Ganz wie im richtigen Leben wird zunächst der „Anamnesebogen" ausgefüllt, werden Begleitperson, Patient, Name und Art der Beschwerden notiert. Mit diesem Bogen werden Plüschtier und der jugendliche Sorgeberechtigte zum entsprechenden „Facharzt für Stofftierheilkunde" überwiesen. Der Kuscheltier-Ansturm ist groß, die Zahl der Beschwerden äußerst vielfältig. „Brüche sind hoch im Kurs", vermeldet Schwester Therese Nolte, Oberin des Krankenhauses, und schmunzelt.
Mit großem Eifer verfolgt Vincent, wie Katharina Ruppel seinem Plüschhasen hilft, ihm sanft über die Löffel streicht. „Tut ihm das sehr weh, ja? Sollen wir mal in die Ohren gucken?" Da wird gemeinsam mit dem Stethoskop das Hasenherz abgehört, ein Verband angelegt, gar ein Röntgenbild gemacht und gemeinsam befundet. Rührend, mit welchem Eifer sich das Hetzelstiftteam vorbereitet hat: Da liegen für alle möglichen Patienten, alle möglichen Beschwerden passende Röntgenbilder parat, für Bären, Hunde, Puppen, Hasen und einiges mehr. Was auch immer die behandelnden Hetzelstift-Mediziner diagnostizieren: Die Kinder sind ihrer Meinung, nicken ernsthaft.
Hoppel braucht noch ein Rezept: Schmerzsaft, Besserungstropfen, Kraftriegel und Vitamine soll er bekommen, und Vincent ist nur allzu gerne bereit, das alles stellvertretend für ihn in der „Apotheke" abzuholen. Er weiß: Hoppel wird die Medizin gerne mit ihm teilen. Und während der Hase noch eine Urkunde für außerordentliche Tapferkeit erhält, steht die Röntgenabteilung vor einer Herausforderung: Pferd Bella muss untersucht werden, denn das Vorderbein ist, oh Schreck, vermutlich nicht nur verstaucht, sondern sogar gebrochen. Doch wie passt das Tier in die Röntgenbox? Wie bleibt es ruhig liegen? Die Oberin sieht die Bemühungen ihrer Kuschelmediziner belustigt, hofft, „dass sich jetzt nicht die Tierärzte beschweren, weil wir übergriffig werden".
Während Janette Labonté einen Hund mit Flöhen und einen Bären mit Schweinegrippe verarztet, umsorgt Silke Basenach einen Eisbären mit hohem Fieber: gar 47,11! Da wird in den Rachen geschaut, werden die Reflexe überprüft, wird der Bauchumfang gemessen und sicherheitshalber eine Spritze gegeben. „Ist die echt?", will Sarah, die Pflegemami des Eisbären, wissen und lässt sich alles ganz genau zeigen.
Ein Notfall erfordert die geballte medizinische Kompetenz: Ein Känguru mit entzündetem Beutel. „Es hatte einen Würfel im Bauch", gibt Wilhelm Bauer, Chef der Visceralchirurgie (Bauchchirurgie), Entwarnung. Und solange der Kängurubauch noch mit einem Eisbeutel gekühlt werden muss, kann sein Freund gemeinsam mit den anderen jugendlichen Begleitpersonen die Wartezeit mit Bewegungsspielen, Trampolin, Petziball, Schaukelbrett und Kletterwand überbrücken. Die Kinder können sicher sein: Alles wird gut.
Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Mittelhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.49
Datum: Samstag, den 27. Februar 2010
Seite: Nr.17
"Deep-Link"-Referenznummer: '6094437'
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