An Versicherungsprämie verhoben

Wie geht es weiter mit den freiberuflichen Hebammen? Sie müssen seit Anfang Juli eine drastisch teurer gewordene Haftpflichtversicherung schultern - unabhängig von der Zahl der von ihnen betreuten Geburten. Viele Hebammen suchen nun nach Alternativen. Dies dürfte es angehenden Eltern erschweren, eine Hebamme für Hausgeburten zu finden.


Marlene Hammann arbeitet in ihrem Traumberuf. Sie ist freiberufliche Hebamme und begleitet die Frauen bei der Entbindung. „Dabei zu sein, mithelfen zu können, ganzheitlich die Entstehung eines Lebens mitzubetreuen, das ist einfach eine wunderbare Tätigkeit", sagt sie. Die 25-Jährige arbeitet seit wenigen Wochen in der Neustadter Hebammenpraxis „Zehn Monde" und unterstützt Frauen bei ihrer Entbindung im Krankenhaus Hetzelstift als Beleghebamme. Doch nun muss sie, gleich zu Beginn ihrer beruflichen Selbständigkeit, eine schwere Hypothek schultern: Seit 1. Juli beträgt die Haftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen, die Entbindungen vornehmen, rund 3700 Euro jährlich, unabhängig ob Hausgeburt oder Entbindung in einer Klinik.


„Die Versicherungsprämien wurden jetzt um über 1000 Euro angehoben, damit das gesundheitliche Risiko entsprechend abgedeckt ist", erklärt Friedrike Heiliger, die Vorsitzende des Hebammen-Kreisverbandes Südpfalz, zu dem Neustadt gehört, mit rund 75 Mitgliedern. Dadurch sei die Begleitung bei Geburten für viele freiberufliche Geburtshelferinnen unrentabel geworden. Die Versicherungsprämie falle an, egal wie viele Geburten betreut werden. Allerdings könne eine Hebamme aus zeitlichen Gründen nicht mehr als etwa 15 Frauen jährlich betreuen, da sich die Geburtstermine nicht überschneiden dürften, so Heiliger. Die Konsequenz: Die Hebammen verlagern ihre Tätigkeit auf Vor- und Nachsorge der Mütter und stehen für Entbindungen nicht mehr zur Verfügung.


„Jetzt haben die Schwangeren weniger Möglichkeiten, eine Hebamme zu finden, wenn sie eine Hausgeburt planen", weiß die Verbandsvorsitzende. Momentan gibt es eine Pauschale von 537 Euro pro Geburt. „Und das ist brutto, für eine Arbeitszeit von rund zehn Stunden und mehr. Davon müssen sämtliche Betriebskosten der Praxis, Steuern und weitere Versicherungsgebühren bezahlt werden", erläutert Heiliger. Als Lösungsmöglichkeit wurde vom Hebammenverband die Bildung eines Fonds vorgeschlagen, in den verschiedene Kostenträger und der Staat einzahlen, um daraus die Haftpflicht zu finanzieren.


Die Neustadter Hebamme Silke Sona, die bislang Hausgeburten betreute und ebenfalls in der Praxis „Zehn Monde" arbeitet, beendet nun diese Entbindungen. „Ich habe noch zwei Geburten in den nächsten Wochen zu betreuen, dann ist Schluss. Aber es gab bereits erneut Anfragen. Schweren Herzens sagte ich ab, denn sonst hätte ich zum Nulltarif gearbeitet", sagt sie. Nun will sie sich auf Schwangerschaftsvorbereitungen und Nachsorge konzentrieren.


Die Neustadterin Barbara Bussen ist die einzige Hebamme im Umkreis, die weiterhin Hausgeburten vornimmt. Bis Februar ist sie ausgebucht, ihr Einzugsgebiet erstreckt sich bis Schifferstadt, Annweiler und Grünstadt. Sie weiß: „Die Eltern entscheiden sich bewusst für die häusliche Atmosphäre. Sie sind sogar bereit, die Rufbereitschaftspauschale zwischen 150 und 300 Euro zu bezahlen, denn diese Kosten werden nicht von der Krankenkasse übernommen." Im vergangenen Jahr betreute Bussen 16 Hausgeburten, die durchaus länger als acht Stunden dauern können. Aber auch sie sagt: „Wenn die Nachfrage zurück gehen würde, würde sich die Geburtshilfe nicht mehr lohnen." (kle)

Quelle:
Verlag: DIE RHEINPFALZ
Publikation: Mittelhaardter Rundschau
Ausgabe: Nr.194
Datum: Montag, den 23. August 2010
Seite: Nr.22
"Deep-Link"-Referenznummer: '6712563'
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