Klettern in der Therapie

Jeder Mensch der seine Arme und Beine nutzen kann ist in der Lage zu klettern. Dies ist möglich, da wir alle in unserer Bewegungsentwicklung schon einmal, wenn auch kurz, das Krabbelmuster benutzt haben.

Das "Bewegungsmuster" Klettern erinnert sehr stark an das Krabbeln, jedoch findet Klettern in der Vertikalen statt (Klettern = vertikales Krabbeln).

Alle Muskeln haben beim Klettern eine Stützfunktion im Sinne der aufrechten Körperhaltung, so wird diese gefördert und spielerisch trainiert. Durch das Abrufen dieses "Grundmotorikmusters" ist es möglich, den Körper funktionell zu trainieren. Die Muskulatur wird aufgefordert aus ihrer Pathologie/krankhaften Spannung herauszuarbeiten.

Nicht zuletzt durch die VOJTA Therapie hat das Abrufen von Grundmotorikmustern  (Reflexkriechen, -umdrehen) in der Therapie an Stellenwert gewonnen. Es hat sich gezeigt, daß durch das Wiederholen dieser Muster ein Abgleich mit den bereits vorhandenen Bewegungsmustern stattfindet und es zu einer Ökonomisierung im Gehirn kommt. Ein weiterer positiver Aspekt ist, dass der Körper beim Klettern relativ gelenkschonend in geschlossenen Muskelketten trainiert wird.

Motivation durch "Überlebenskampf"

Klettern stellt auf großer Höhe einen Überlebenskampf dar, der starke Nerven (Konzentration) und Koordination verlangt. Mit den Patienten wird an der Wand nicht in schwindelerregenden Höhen trainiert. Trotzdem ist diese Art der Therapie für sie ungewohnt und spornt sie gleichzeitig an, nicht in "die Tiefe" zu stürzen und an der Wand zu bestehen.

Durch den anspruchsvollen Bewegungsablauf des Kletterns wird der "Bergsteiger" auch deutlich mental gefordert. So kommt es automatisch zu einer Verbesserung der Körperwahrnehmung und Konditionierung.

Vor dem Klettervorgang muss eine Strategie, ein Handlungsentwurf im Kopf entstehen, der zur Lösung der bevorstehenden Aufgabe beiträgt. So ist Klettern z.B. mit hyperaktiven Kindern eine willkommene Therapieergänzung, da sie die kognitiven Fähigkeiten mit einbezieht.

Wer einen Sportkletterer schon einmal beobachtet hat stellt fest, dass diese Athleten ein ausgewogenes Verhältnis zischen Muskelkraft und der Kraftausdauer haben. So kann man durch reine Muskelkraft im Klettern nicht viel erreichen.

In der Erlebnispädagogik hat das Klettern schon einen recht hohen Stellenwert, da sich auf diese Weise Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und soziale Interaktion sehr schön erlernen und bestätigen lassen.

Alle Menschen können von einem Training an der Kletterwand profitieren, egal ob sie  z. B. an einer orthopädischen, internistischen oder neurologischen Krankheit leiden. Klettern ist eine willkommene und sinnvolle Abwechslung in der Therapie. Es fordert den Geist und den Körper des Patienten, so das vielleicht sogar seine Bewegungsfreude angeregt wird und er zu einem regelmäßig trainierenden Menschen wird, der seine Gesunderhaltung selbst in die Hand nimmt und lange fit bleibt.

Stefan Waldecker